Vorwort    Prof. Peter Redeker    Dekan des Fachbereichs Bildende Kunst

Neun Absolventen des Meisterschülerjahrgangs 2007 des Fachbereichs Bildende Kunst der Fachhochschule Hannover präsentieren ihre Studienergebnisse in der Eisfabrik. Malerei, Zeichnungen, Bildhauerei, Fotografie, Installationen und Film.
1992, nach der Einführung des Aufbaustudiengangs „Meisterschüler“ wurden ebenfalls die ersten Abschlussarbeiten hier gezeigt. Seitdem sind mehr als 150 künstlerische Positionen als Ergebnis der Meisterschülerprüfung an verschiedenen Ausstellungsorten in Hannover im jährlichen Rhythmus vorgestellt worden. Diese Tradition wird nun beendet werden. Im nächsten Jahr wird die Ausbildung von bildenden Künstlern in Niedersachsen um den Standort Hannover reduziert. Sie wird hier ersatzlos abgeschafft.
Seit 1791 hat sie mit unterschiedlichen Zielrichtungen und Ausprägungen existiert. Als „Freie Zeichenschule“, Kunstgewerbeschule, Werkkunstschule und ab 1971 als eigenständiger Fachbereich bzw. Studiengang der Fachhochschule Hannover. In diesem langen Zeitraum hatte es diese Ausbildung in Hannover nie leicht gehabt. Sie ist nie mit dem dafür notwendigen Ehrgeiz der jeweiligen Regenten gefördert worden, wie die Kunstakademien von Berlin, Düsseldorf, Dresden, München, Stuttgart oder Karlsruhe. Auch gab es nicht den notwendigen Förderimpuls der Bürgerschaft, wie für die Hochschulen von Frankfurt, Leipzig oder Köln.
Die inhaltlichen Zielrichtungen folgten jeweils opportunen Bildungskompromissen. Notwendige radikale Strukturverbesserungen waren politisch weder gewollt noch durchsetzbar. Die gravierenden hochschulpolitischen Fehler, die 1971 bei der Eingliederung in die Fachhochschule Hannover gemacht worden sind, verunklärten den Bildungsauftrag und führten schon 1979 zur kurzfristigen Schließung des Fachbereichs, die dann allerdings durch massive Proteste, rechtliche Schritte und politische Verhandlungen rückgängig gemacht worden ist und als Ergebnis die Bildung des Fachbereichs Kunst und Design der Fachhochschule Hannover hervorgerufen hat. Erst seit diesem Zeitpunkt – 1980 – ist in Hannover eine qualifizierte Künstlerausbildung durchgesetzt worden, die beachtliche Erfolge aufzuweisen hatte und hat.
Zeitgleich folgte aber ein bildungspolitischer Druck der deutschen Akademien und Kunsthochschulen mit dem Ziel, eine Künstlerausbildung an Fachhochschulen generell nicht als gleichrangig zu akzeptieren, sodass die Pläne der jetzigen Landesregierung, Sparziele treffen zu wollen, schnell die Schließung herbeigeführt hat. Alle weiteren zukunftsweisenden Überlegungen und Planungen eines niedersächsischen Gesamtkonzeptes für die gestalterischen und künstlerischen Ausbildungseinrichtungen hatten bei den formulierten engen Sparzielen keine echte Chance.
Nach der Teilung des Fachbereichs Kunst und Design und deren Umzüge von Herrenhausen auf das Messegelände als Nachnutzer der Expo 2000 wird nun ab 2008 nur noch die Designerausbildung in der Fakultät III – Medien, Information und Design an der Fachhochschule Hannover weitergeführt werden.
Die Künstlerausbildung wird zu diesem Termin in der Landeshauptstadt Hannover nach einer über 200jährigen Tradition beendet. Proteste gegen diese neue Schließung hat es diesmal kaum gegeben, da die schon existierenden alternativen Pläne zur weiteren Einschränkung der Ausbildung an der Fachhochschule nicht mehr verantwortlich vom Fachbereich getragen werden konnten. Dieser Einschnitt wird sich vermutlich empfindlich auf die gesamte Kunstszene in Hannover negativ auswirken. Fast alle Künstler, die für Hannover – und auch über die niedersächsischen Landesgrenzen hinaus – wichtig geworden sind, die Hannover zu einem bedeutenden Kunstzentrum gemacht haben, studierten wenigstens einige Semester an der Kunstgewerbeschule, Werkkunstschule oder Fachhochschule. Das gilt für den Dadaisten Schwitters ebenso wie für die Realisten Grethe Jürgens und Erich Wegner.
Künstlernamen wie Carl Buchheister, Paul Uwe Dreyer, Raimund Girke, Heinz Knoke, Gabriele Marwede, Kurt Sohns, Ernst Thoms, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Gerhard Wendland oder aus der Fachhochschulzeit die Namen wie Thomas Ganzenmüller, Hlynur Hallsson, Franka Hörnschemeyer, Christian Riebe und Franziska Stünkel belegen neben vielen anderen Namen die Bedeutung der Künstlerausbildungsstätte in Hannover.
Abschlussarbeiten des Meisterschülerjahrgangs 2007 vom Fachbereich Bildende Kunst der Fachhochschule Hannover werden vom 7. bis 28. Oktober 2007 gezeigt. Ich denke, dass diese Arbeiten durch ihre eigene Ausstrahlung Beachtung und Akzeptanz erlangen und dass die beruflichen künstlerischen Werdegänge dieser Absolventen in keiner Weise durch die negativen kulturpolitischen Entscheidungen zur Künstlerausbildung in Hannover beeinträchtigt werden.
Ich wünsche den Künstlerinnen und den Künstlern viel Erfolg und die verdiente Anerkennung ihrer Arbeit.