Die großformatigen Zeichnungen von Helena Gaikalowa sind leise und geheimnisvoll. Zarte, manchmal farbige Flecken,
hingehauchte Strukturen und skripturale Anmutungen kommunizieren miteinander und ergänzen
sich in ihrer Gegensätzlichkeit. Die von ihr unterschiedlichst eingesetzten Materialien wie Tinten,
Ölkreiden, Blei-, Ton-, Kohle- und Aquarellstifte bis hin zum Radiergummi verstärken das Prozesshafte
ihrer Arbeit. Einige dieser Materialien lassen nur bedingt kontrollierbare Ergebnisse zu.
In der thematisierten Leere dieser großen Zeichnungen ist ein Vibrieren zu spüren, ein Phänomen des Entstehens und
Vergehens. Hier wird kein bestimmter Ort definiert, hier scheint auf, um wieder zu verschwinden.
Manchmal entstehen Assoziationen von Gesehenem, Landschaftsfetzen oder -beschreibungen, doch
der Prozess des nicht reflektierten Machens kann auch solche Ergebnisse hervorrufen.
Eigentliches Ziel dieser künstlerischen Arbeiten ist die Definition von Zeit und Raum, wann wird Leere sichtbar, wann ein
Fleck zum Ort, wann werden Linien bestimmbar. Diese Verwandlung in der weiten Fläche lässt die
Konzentration und Meditation des Machens erahnen und überträgt sich auf wundersame Weise auf
den Betrachter.
Verena Vernunft
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