Janina Wick


Junge Mädchen in einem Augenblick seelischer Intimität. Den Blick meist auf einen unbestimmten Punkt gerichtet, als hätten sie für einen kurzen Moment vergessen, unter der fotografischen Beobachtung zu stehen.
Nadine steht, die Hände vor ihrem Körper verhalten übereinander gelegt und mit geschlossenen Augen, vor einem großen Maschendrahtzaun. Oder Celine hält vor einer grauen Hauswand ihre Arme hinter dem Rücken verschränkt, während sie in sich versunken den Blick nachdenklich in die Ferne schweifen lässt.
Janina Wick hält in ihren Fotografien Mädchen aus ihrer direkten, unmittelbaren Umgebung fest und thematisiert in Auseinandersetzung mit der weiblichen Pubertät den Zustand zwischen kindlicher Unbefangenheit und weiblicher Selbstbehauptung. Ihre Porträts zeugen von eindringlicher Nähe und starker Authentizität, wobei sie den Bildinhalt darauf reduziert, die Mädchen in ihrer natürlichen Erscheinung – soweit diese zugelassen wird – festzuhalten.
Die räumliche Umgebung ist dabei nur insofern von Relevanz, als dass sie zur Atmosphäre beiträgt, jedoch niemals von der Person selbst ablenkt. Ihre ganze Konzentration den Mädchen gewidmet, durchbricht Janina Wick die äußere Fassade und setzt den Schwerpunkt auf die Darstellung innerer Bewegtheit. Kimberly erscheint in einer verblüffenden Ernsthaftigkeit der Realität scheinbar ein Stück weit entrückt, während Artemis eine klare Distanz zum Betrachter beibehält und in einer Mischung aus Skepsis und cooler Unnahbarkeit den Kopf gesenkt hält.
So nahe Janina Wick in ihren Fotografien zu den Mädchen vordringt, so achtet sie dennoch stets darauf, Grenzen zu respektieren. Die Mädchen bestimmen selbst, wieviel sie von dem, was in ihnen vorgeht, zeigen wollen.

Nina Seegers